Heilsames Erzählen

Ich war neun Jahre, als meine Eltern sich scheiden ließen. Mit zwölf Jahren las ich Märchen statt dicker Romane? Ich tauchte ab in die Märchenwelt, fühlte mich selbst im Rapunzelturm und hatte das Gefühl verstanden zu sein von den Märchen. Ist das schon heilsam?
Ich schrieb zwei „Märchen“ mit zwölf und dreizehn Jahren: das erste erzählte von einer Mauer. Nur wer den Schlüssel hatte, konnte auf die andere Seite gelangen. Das zweite Märchen erzählte von der bösen Hexe, die den Mann verzaubert hat, daß er Frau und Kinder alleine ließ. Ist das schon heilsam?
Ich war 17 Jahre, als ich zum ersten Mal einen Erzähler hörte. Es war Rudolf Geiger, der mit ruhiger Stimme und stiller Präsenz erzählte. Ich war in meinem Innersten berührt. Ist das schon heilsam?
So ging ich meine Weg: mit 18 Jahren hatte ich meinen ersten öffentlichen Auftritt. Mit 23 brach ich meine Ausbildung zur Krankenschwester ein halbes Jahr vor dem Abschluss ab, um Erzählerin zu werden. Ist das schon heilsam?
Was macht es aus, heilsam wirken zu können?
Hast Du heilsame Erfahrungen mit dem Erzählen und/oder mit Geschichten gemacht? Für Dich? Für Dein Gegenüber?
Erzähle mir von der Heilkraft, ich freue mich darauf.
Danke für Deine Unterstützung.
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