Die Rauhnächte

Die Rauhnächte beginnen zwischen dem 25. und 26. Dezember. Die letzte Rauhnacht endet am 6. Januar. Genau in der Mitte am 31. Dezember, wurde der Jahreswechsel gefeiert.

Nach germanischem Glauben galoppierte Odin während der Rauhnächte auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir über den Himmel, gefolgt von seinem wilden Heer. Dabei tropfte der Speichel seines Pferdes auf die Erdenmutter Wala, befruchtete sie und neun Monate später wurde der Fliegenpilz geboren. Wer ihn verspeiste, so dachte man, konnte in die Anderswelt blicken und dort mit den Geistern der Ahnen sprechen. Deshalb gilt der Fliegenpilz auch heute noch als Glückssymbol für die Rauhnachtszeit und wird zur Jahreswende verschenkt. Auch das Hufeisen als Glücksbringer hat seinen Ursprung in diesem alten Glauben von Odins magischem Ross.

Doch nicht nur Odin war zur Rauhnachtszeit unterwegs: Auch Frau Holle, Hella oder Hulda zog mit ihrem Gefolge durch die Nächte. Zur Rauhnachtszeit herrscht Frau Holle über Tod und Ende des Winters. Als dreigestaltige Große Göttin repräsentiert sie sich in ihrem heiligen Baum, dem Holunder. Die Farben Weiß, Rot und Schwarz (Blüte, unreife und reife Früchte) stehen für die drei Phasen des Weiblichen, für Jungfrau, Mutter und alte Weise.

Zur Zeit der Wilden Jagd gebietet Frau Holle uns, innezuhalten, um uns aus dem äußeren Leben zurückzuziehen. Wir sollen ruhen, Rückschau halten, Altes abschließen und unseren Träumen und Visionen Raum geben. Wir sollen bereit sein, uns für neue Wege und Ziele zu öffnen. Wir sollen Vertrauen in unsere eigene Schöpferkraft haben – und auch genügend Mut, um neue Wege einzuschlagen.

(aus: Elfie Courtenay, Rauhnächte und Jeanne Ruland, Das Geheimnis der Rauhnächte)

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